Practice Chanter

Übungsspielpfeife, Übungspfeife oder Übungsflöte?

Diese und weitere Begriffe (Übungsinstrument, Übungsgerät etc.) sind als mehr oder weniger treffende Übersetzungen für "Practice Chanter" in Umlauf.

Das deutsche Wort "Übung" übersetzt den englischen Begriff "Practice" recht genau. "Chanter" mit "Flöte" zu übersetzen ist dagegen falsch. Ein "Chanter" ist ein Rohrblattinstrument, welches den Ton, ganz im Gegensatz zu einer Flöte, mithilfe eines Rohrblatts erzeugt.

Der Begriff "Pfeife" für "Chanter" kommt der Wortbedeutung schon näher. Doch "Pfeife" kann ebenfalls irreführend sein, da unter "Pfeife" sowohl eine Flöte als auch ein Rohrblattinstrument verstanden werden kann.

Das Wort "Spielpfeife" trifft es am ehesten. Denn so wird meist auch jene mit Grifflöchern versehene Pfeife eines Dudelsacks genannt, auf der die Melodie gespielt wird.

Ein Practice Chanter ist demnach eine "Übungsspielpfeife" zum Erlernen und Üben jener Fingertechnik, die zur Beherrschung der Spielpfeife eines Dudelsacks nötig ist.

Practice Chanter Bestandteile

Aus "Reet" wird "Reed"

Der Practice Chanter ist mit einem Doppelrohrblatt ("double reed") versehen, welches aus zwei dünnen Blättchen besteht, die auf eine Metallhülse gebunden sind.

Diese Blättchen werden aus "spanischem Rohr" (botanisch "arundo donax") hergestellt. Das ist jene Pflanze, die mit dem bei uns vorkommenden Schilf verwandt ist. Aufgrund der hiesigen klimatischen Bedingungen bleiben die Stängel unseres Schilfrohrs allerdings recht dünn und brüchig. Unter dem norddeutschen Namen "Reet" findet es nur als Material für Reetdächer Verwendung. In Gegenden mit mediterranem Klima wie Südfrankreich und Spanien werden die Stängel dieser Schilfpflanze dagegen dick und kräftig wie Bambus und haben eine holzähnliche Beschaffenheit.

Rohrblätter für Practice Chanter werden heutzutage allerdings meist aus Plastik hergestellt, da diese - besonders für den beginnenden Dudelsack-Lerner - einfacher zu handhaben sind. Die Rohrblätter für den Pipe Chanter der Highland Bagpipe werden größenteils aus "arundo donax" gefertigt.

Wozu ist ein Practice Chanter gut?

Das Dudelsackspielen gleich auf dem schottischen Hochlanddudelsack erlernen zu wollen, stellt für einen Anfänger in der Regel eine unüberwindliche Hürde dar. Beim Dudelsackspielen finden verschiedene Bewegungsabläufe parallel statt, die als Anfänger nur Schritt für Schritt nachzuvollziehen und zu erlernen sind. Auch hat ein Anfänger in der Regel nicht die nötige Kondition, um eine Great Highland Bagpipe mit ausreichend Luft zu versorgen.

Begonnen wird deshalb auf dem Practice Chanter, mit dessen Hilfe die recht komplexe Fingertechnik erlernt wird. Erst nach ungefähr zwölf Monaten beginnt man, sich mit dem "Pusten und Drücken" auf der Highland Bagpipe zu beschäftigen. Während dieser Zeit des Übens auf dem Practice Chanter kann sich der Atmungsapparat (Lippenmuskulatur, Lunge, Zwerchfell) auch nach und nach auf den anfangs recht hoch erscheinenden Luftbedarf einstellen.

Diese sehr effektive schottische Lehr- und Lernmethode machen sich zunehmend auch Spieler anderer Dudelsackarten zunutze. Mittlerweile gibt es Übungsspielpfeifen für Hümmelchen, mittelalterlichen Dudelsack und Schäferpfeife.

Der Practice Chanter als lebenslanger Begleiter

Der Anfänger, der sich viele Monate in Geduld üben muß, bevor er das eigentliche Instrument, die Highland Bagpipe, in Händen hält, wird am Ende für sein gewissenhaftes Üben auf dem Practice Chanter belohnt werden. Je sorgfältiger er die Grundlagen erlernt hat, desto besser wird er auf dem schottischen Hochlanddudelsack zurechtkommen. Doch auch der erfahrene Piper wird immer wieder auf seinen Practice Chanter zurückgreifen, sei es um seine Fingerfertigkeit zu trainieren oder um neue Stücke zu erlernen.

Practice Chanter montiert
Practice Chanter
Ein "Practice Chanter" ist eine Übungsspielpfeife, auf der Dudelsack-Anfänger die grundlegenden Griffe und die umfangreichen Verzierungen (Grace Notes, Ornamentations, Embellishments) der schottischen Dudelsackmusik erlernen. "Practice" heißt "Übung" und "Chanter" leitet sich ab vom englischen Verb "to chant" (singen). Als "Chanter" wird sowohl der mit Grifflöchern versehene untere Teil des Practice Chanters bezeichnet als auch die Spielpfeife des Dudelsacks selbst. Letztere wird zur besseren Unterscheidung zum Practice Chanter auch "Pipe Chanter" genannt. Der Practice Chanter ist in der Regel kleiner als eine Dudelsack-Spielpfeife, benötigt weniger Luft und ist leiser.


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